Offener Brief

Lokalpolitik

Nach der Gemeinderatssitzung vom 1. Februar hat Jutta Kennerknecht den hier abgedruckten Brief an die 1. Bürgermeisterin Eisingens, Ursula Engert, geschickt.

 

Eisingen, 02.02.13

Sehr geehrte Frau 1. Bürgermeisterin Engert,

Ihre gestern vor der Sitzung des Gemeinderats abgegebenen persönlichen Wahrnehmungen und Eindrücke über die Ereignisse und Vorfälle im Eisinger Rathaus, Gemeinderat und den daraus entstandenen Berichterstattungen und Leserbriefen in der Mainpost veranlassen mich zu folgender Stellungnahme, da ich mich als Mitglied der SPD durch Ihre Statements angesprochen fühle. Zwei Ihrer Aussagen bewegen mich besonders:

Ihre 1. Aussage und Sichtweise:

Sie sagten sinngemäß, Sie hätten sich vor fünf  Jahren um das Amt des Bürgermeisters in Eisingen beworben, weil Sie meinten, die „Blätter“, die von den verschiedenen Gruppierungen im Gemeinderat an die Bevölkerung verteilt wurden, überflüssig seien und Sie glaubten, durch Ihre Person dies beenden zu können.

 

Meine Sichtweise hierzu:

Sie sprechen von der Wahlkampfzeit. In Zeiten des Wahlkampfs wird viel kritisiert und vielleicht auch polarisiert. Aber persönliche Beleidigungen kamen meines Wissens nicht, weder von der SPD noch von anderen Gruppierungen. Die Blätter liegen alle noch vor und können diesbezüglich überprüft werden. Mit Ihrer Person stehen sie ohnehin nicht in Verbindung.

Abgesehen davon, dass ich es schlichtweg nicht glauben kann, dass dies Ihr Antriebsmotor zur Erreichung des Amtes war, müsste ich dieses Ansinnen als Selbstüberschätzung bezeichnen. Wer ein öffentliches Amt bekleidet, muss sich einer Kritik stellen. Er kann nicht davon ausgehen, alle divergierenden Interessen einer Bürgerschaft kritiklos erfüllen zu können. Der Wunsch nach Informationsweitergabe und Kommentare zur Gemeindepolitik sind unabhängig von irgendwelchen Personen. Sie wird vor allem dann erforderlich, wenn der Gemeinderat den Eindruck hat, dem Bürger wird nicht die volle Wahrheit und nur eine einseitige Sichtweise präsentiert. Die SPD hat in ihrem Blatt „Bei uns in Eisingen“ (auf das Sie sicherlich auch anspielen) die Bürgerschaft stets sachlich informiert und die Entscheidungen nach ihren Vorstellungen kommentiert, d.h. ihre Meinung dazu vertreten. Es wurde niemals jemand persönlich angegriffen, wohl aber eine Sachentscheidung oder eine Handlung kritisiert (nachprüfbar!). Das ist in einem demokratischen Ansinnen rechtmäßig und für mündige Bürger wünschenswert. Wer sich dieser Information entziehen will, kann das jederzeit tun. Ich konnte mich gestern ihren anschuldigenden Worten nicht entziehen, da ich an der Sitzung teilnehmen wollte. Sie nutzten das Forum für Ihre private Meinungsäußerung und Sie nutzen das Gemeindeblatt zur Darstellung Ihrer Politik. Sie nutzen auch andere Gelegenheiten, sich darzustellen, was durchaus legitim ist. Andere Gruppierungen nutzen ihre Wege, die ebenfalls legitim sind. Sie können Ihrerseits die Inhalte kritisieren oder nach Ihrer Sicht „richtig“ stellen.

Zu Ihrer 2. Aussage

Sie zitierten mit emotionaler Regung einen Schreiber: “….dann will ich sehen wie sie um ihr Leben rudert..“

Meine Sichtweise:

Sie haben nicht erwähnt, woher Sie zitierten. Beim Publikum musste der Eindruck entstehen, dies wären Worte aus den genannten "Blättern" oder zumindest von denselben Schreibern. Dagegen verwehre ich mich als Parteimitglied der SPD auf das Schärfste. Auch den Anhängern der anderen Parteien und Gruppierungen des Gemeinderats darf man als feinsinniger Demokrat derartige Äußerungen nicht unterstellen. Ich will mich nicht mit unsachlichen, an Aufmischung mit deftigen Worten interessierten Menschen in einen Topf werfen lassen.

Von einer Bürgermeisterin erwarte ich mehr Achtung vor dem demokratischen Handeln und den Meinungen anderer.

Ich hoffe, dass weiterhin im Dorf der Wahrheitsfindung dienende Äußerungen verbreitet werden. Sie dürfen durchaus auch aus dem Rathaus kommen.

Hochachtungsvoll

Jutta Kennerknecht

 
 

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