Westumgehung - Ist der Kelch vorübergegangen?

Verkehr

Nun ist die Katze endlich aus dem Sack. Die Westumgehung soll im so genannten „Mittelkorridor“ gebaut werden, die Alternative einer stadtnahen Umgehungstrasse um Würzburg herum wird nicht weiter verfolgt.

Eine weitere Entscheidung hat vor allem bei uns in Eisingen für große Erleichterung gesorgt: die Westumgehung soll nicht zwischen Eisingen und Waldbrunn hindurch verlaufen, sondern westlich von Waldbrunn an die BAB A 3 angebunden werden. Maßgeblich für diese aus rein verkehrsplanerischen Gesichtspunkten eigentlich nicht zu erwartende Entscheidung war das bestehende FFH-Gebiet (FFH=Flora-Fauna-Habitat, eine naturschutzrechtlich besonders geschützte Fläche) mit seinen dort lebenden besonders geschützten Tierarten. Dort lebt z.B. die Mopsfledermaus.
Die Argumente der Autobahngegner haben sich bestätigt: Die Autobahn wird wesentlich länger und vor allem wesentlich teurer als bislang angenommen, eine auch nur halbwegs naturverträgliche Möglichkeit der Streckenführung existiert nicht. Die anlässlich der damaligen Entscheidung für die Aufnahme des Projekts in den Bundes-Verkehrswegeplan prognostizierten und als Rechtfertigung dienenden hohen Zahlen liegen nun plötzlich erheblich niedriger, nämlich nach heutiger Prognose bei deutlich unter 40.000 Fahrzeugen pro Tag.
52 km Streckenlänge sind mittlerweile geplant. Die Westumgehungs-Streckenführung zwischen dem A-3-Anschluss Helmstadt und dem A-7-Anschluss Werneck ist somit deutlich länger als der Weg über das Autobahnkreuz Biebelried.
Bei den Kosten sieht es noch düsterer aus: man rechnet nun mit ca. 500 Millionen €, die Zubringerstraßen für die vorgesehenen 10 Anschlussstellen noch nicht eingerechnet. Und noch ist nicht gebaut, Kostensteigerungen bei vergleichbaren Bauten lassen Schlimmes befürchten. Letztlich werden die Steuerzahler wohl einen Betrag von bis zu einer Milliarde Euro aufwenden müssen, das alles ohne jegliche Notwendigkeit. Was könnte man doch Sinnvolles mit so viel Geld anstellen!
Wertvolle Naturräume und Naherholungsflächen werden auf der Strecke bleiben. Eine ganze Region wird mit Lärm zugemüllt. Für bereits heute lärmgeplagte Gemeinden wie Eisingen wird sich die Belastung nochmals deutlich erhöhen, denn auch eine ca. zwei Kilometer entfernte Trasse erzeugt hier immer noch genügend Lärm, zumal die Lärmquelle aus der Haupt-Windrichtung Westen kommt.
Auch der Durchgangsverkehr durch Eisingen wird nach Schließung der Anschlussstelle Helmstadt (dort entsteht ein Autobahndreieck ohne Abfahrtsmöglichkeit) deutlich zunehmen, das entsprechende Gutachten spricht von etwa 800 Kraftfahrzeugen täglich, welche sich zusätzlich durch unseren Ort wälzen werden.
Der Kelch ist also keineswegs vorübergegangen. Die Westumgehung darf nicht gebaut werden, egal ob hier oder ein kleines Stück von Eisingen entfernt. Die endgültige Entscheidung über die Linienführung wird übrigens erst in einer späteren Planungsphase, dem so genannten Linienbestimmungs-Verfahren, getroffen, Änderungen in der Streckenführung sind also durchaus noch möglich.
Solidarität mit der Natur, mit den vielen Gemeinden und den Zehntausenden von dort wohnenden Menschen ist von Nöten. Es bleibt dabei:
Eisingen sagt auch weiter Nein zur Westumgehung.

Georg Bausewein
Gemeinderat und Beirat im Verein gegen die Westumgehung

 
 

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